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Freitag, 15. März 2013

Monatshygiene: Menstruationstassen FTW

Menstruation ist eine lästige Angelegenheit. Für mich, manchmal für mir nahestehende Personen und für die Umwelt. Umso besser, wenn es dann mal was Positives zu berichten gibt.

Seit einiger Zeit benutze ich zur Flüssigkeitsentsorgung nicht mehr Tampons oder Binden, sondern eine sogenannte Menstruationstasse. Ein unschöner Name, hinter dem sich aber was Gutes verbirgt. Es gibt verschiedene Anbieter von MensCups, ich habe mich für die Diva Cup entschieden.

Das Konzept ist sehr einfach. Tampons saugen die Flüssigkeit im Körperinneren auf, Binden außen, beides Wegwerfprodukte. Menstruationstassen dagegen sammeln die Flüssigkeit. Sie bestehen meistens aus Silikon, werden ähnlich wie Tampons eingesetzt, bei Bedarf geleert, gespült und wieder eingesetzt.

Die Vorteile:

Umweltfreundlichkeit. Stellt euch nur mal ansatzweise vor, was man als menstruierende Frau im Laufe der Zeit für einen Abfall produziert. Tampons, Binden, deren Verpackungsmaterial, Hygienebeutel… Mit einer MensCup sind die Zeiten der Müllberge vorbei. Man kann sie meist über Jahre verwenden und muss sehr selten bis gar nicht auf andere Produkte zurückgreifen.

Kostenersparnis. Der Anschaffungspreis liegt etwa zwischen 25 und 30 Euro. Aufgrund der langen Wiederverwendbarkeit hat man die Kosten bald wieder heraus.

Verträglichkeit. Zumindest die Diva Cup, und viele andere auch, sind aus Silikon, frei von irgendwelchen anderen Stoffen und damit antiallergen. Gerade Frauen, die Probleme mit Hautreizungen, Austrockung etc. haben, profitieren hier stark.

Aktivität und Alltag. Von vaginalem Sex mal abgesehen ist alles möglich. Die Cup sitzt fest und dicht. Schwimmen oder jede andere Sportart ist uneingeschränkt möglich. Nichts zeichnet sich ab, keine Fäden oder sonstiges, auch Geruch kann sich nicht bilden. Man ist und fühlt sich sehr sauber und unauffällig.

Ich habe mich mit einigen Leuten über dieses Thema unterhalten und Bedenken kamen besonders bei der Leerung (auf öffentlichen Toiletten) und dem, sagen wir mal, Ekelfaktor.

Achtung, jetzt wird es ausführlich.

Die Diva Cup ist flexibel, weich, aber fest fest genug, um sich gefüllt nicht zu verformen. Zum Einführen faltet man sie, die Anleitung und das Internet beschreiben mehrere Möglichkeiten. In der Scheide “poppt” sie dann von allein oder mit etwas Hilfe auf und man prüft den richtigen Sitz, indem man einmal mit einem Finger drumherum fährt, um zu fühlen, ob sie überall offen und rund ist. Das Silikon wird bei Wärme weicher und ist damit sehr angenehm zu tragen. Spürt man die Cup weder im Stehen noch Sitzen, sitzt sie richtig, wobei ich erst nach einigen Stunden nicht mehr merke, dass sie da ist. ;-)

Das Leeren in Badezimmern (zu Hause oder bei Gästen) ist sehr einfach und spurlos. Hände waschen, entfernen, indem man die Cup unten leicht zusammendrückt, um den Unterdruck zu lösen, ausleeren, mit warmen Wasser ausspülen, wieder einsetzen, noch einmal Hände waschen, fertig. Vor dem ersten monatlichen Einsatz und nach dem letzten kocht man die Tasse aus und verstaut sie im beigepackten Beutel.

Man soll sie spätestens alle 12 Stunden leeren. Die Zeit muss individuell angepasst werden, aber keine Sorge, nach anfänglicher Übervorsicht man hat es schnell raus, wann gewechselt werden muss.

Durch die lange Tragezeit muss man sie selten woanders leeren. Es kommt aber, zum Beispiel bei stärkeren Blutungen, durchaus vor. In diesem Fall empfehle ich, eine kleine Flasche mitzunehmen. Entweder schon gefüllt mit Wasser oder eine leere, die man dann vor Ort im Bad füllt. Dazu evtl. noch Feuchttücher für die Hände (nicht die Cup), die gibt es ja auch in handtaschenfreundlichen Größen. So kann man die Prozedur vollziehen, ohne ans öffentliche Waschbecken zu müssen. Auch wenn es mal keine Toilette gibt, beim Wandern oder so, ist das sehr praktisch. Notfalls geht es auch mit trockenem Toilettenpapier, in die Situation bin ich aber noch nie gekommen.

Neu haben die meisten Menstruationstassen unten eine dünne Verlängerung, ein kleiner Stiel, der das Rausholen erleichtern soll. Dieser wird aber häufig als unangenehm empfunden, auch ich habe den schnell komplett abgeschnitten und komme ohne viel besser klar.

Zum Ekelfaktor. Kann ich nur widersprechen. Volle Tampons sind unschön, muss nicht mehr dazu gesagt werden. Bei einer MensCup sieht man genau, was man verliert und wieviel. Das gibt einem ein anderes Verhältnis zur der ganzen Sache und zeigt einem auch Anomalien auf. Durch den sicheren Sitz ist die Angelegenheit sehr hygienisch, man macht sich die Finger kaum oder gar nicht schmutzig, ein Hindernis sollte das nicht sein.

Nachteile kann ich nicht benennen. Bisher gab es für jedes Problem eine Lösung und laut Wikipedia sind Reaktionen auf das Material, wenn zu 100% Silikon, keine schlechten Reaktionen bekannt.

Ich ärgere mich, dass es diese Produkte oft gar nicht in Drogerien oder Supermärkten gibt, sie offensichtlich oft nicht Bestandteil der Aufklärung über Monatshygiene sind und damit bisher zu unbekannt sind.

Zeit, dass sich das ändert. Auf geht’s, Mädels. ;-)

Montag, 4. März 2013

Zum Film "Das Geheimnis der Orangenkisten"

Der Dokumentarfilm von Jochen Faber handelt von der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen (kurz: Zentrale Stelle), die ihren Sitz in Ludwigsburg hat und 2008, dem Erscheinungsjahr des Filmes, ihren 50. Geburtstag feierte.

Zusammen mit einigen Piraten des Ludwigsburger Stammtisches habe ich mir diese Dokumentation angesehen.

Gegründet erst 1958 nach dem "Ulmer Einsatzgruppen-Prozess" durch wenige engagierte und interessierte Juristen widmet sich die Zentrale Stelle der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, auch gerade derer, die im Ausland stattgefunden haben und vorher gar nicht oder nur zufällig Gegenstand der deutschen Justiz wurden.

Dass viele NS-Verbrecher nie für ihre Taten verantwortlich gemacht wurden, ein normales Leben nach dem Krieg führen oder teilweise einflussreiche Positionen in Politik und Gesellschaft einnehmen konnten, dürfte allgemein bekannt sein. Erschreckend fand ich die im Film dargestellte Einstellung vieler Ludwigsburger, die die Zentrale Stelle eher als Schandfleck und rufschädigend für die schöne und berühmte Stadt empfanden. So wurde um Auskunft Fragenden der Weg nicht beschrieben oder Taxifahrer fuhren die Adresse nicht an und man solle sich am besten einen anderen Ort als Ludwigsburg für so eine Stelle suchen.

Neben Aufgaben, Funktionsweise und Ergebnissen der Zentralen Stelle wird auch die Geschichte einiger in Ludwigsburg lebender NS-Offiziere behandelt. Man stelle sich vor, heutzutage kämen einige tausend Besucher zu einer Beerdigung und stilisierten diese zu einem Gedenktag ewig Gestriger mitsamt SS-Gesängen. Hier jedoch veranlasste erst das Fernbleiben von Vertretern der französischen Partnerstadt bei Feierlichkeiten die Stadt Ludwigsburg zu einer Reaktion und Stellungnahme.

Fabers Film zeigt mit vielen Aspekten die Schwierigkeit der Geschichtsaufarbeitung und Verbrechensaufklärung in Justiz und Gesellschaft und zeigt dabei, wie wichtig die Arbeit der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen war und immer noch ist.

Eine sehr lohnenswerte Dokumentation, nicht nur für Menschen aus der Region. Auch ein Besuch der Zentralen Stelle lohnt sich, die gesammelten Akten sind der Öffentlichkeit zugänglich, ein pädagogischer Mitarbeiter als Betreuer für Schulklassen ist vor Ort.