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Montag, 4. März 2013

Zum Film "Das Geheimnis der Orangenkisten"

Der Dokumentarfilm von Jochen Faber handelt von der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen (kurz: Zentrale Stelle), die ihren Sitz in Ludwigsburg hat und 2008, dem Erscheinungsjahr des Filmes, ihren 50. Geburtstag feierte.

Zusammen mit einigen Piraten des Ludwigsburger Stammtisches habe ich mir diese Dokumentation angesehen.

Gegründet erst 1958 nach dem "Ulmer Einsatzgruppen-Prozess" durch wenige engagierte und interessierte Juristen widmet sich die Zentrale Stelle der Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen, auch gerade derer, die im Ausland stattgefunden haben und vorher gar nicht oder nur zufällig Gegenstand der deutschen Justiz wurden.

Dass viele NS-Verbrecher nie für ihre Taten verantwortlich gemacht wurden, ein normales Leben nach dem Krieg führen oder teilweise einflussreiche Positionen in Politik und Gesellschaft einnehmen konnten, dürfte allgemein bekannt sein. Erschreckend fand ich die im Film dargestellte Einstellung vieler Ludwigsburger, die die Zentrale Stelle eher als Schandfleck und rufschädigend für die schöne und berühmte Stadt empfanden. So wurde um Auskunft Fragenden der Weg nicht beschrieben oder Taxifahrer fuhren die Adresse nicht an und man solle sich am besten einen anderen Ort als Ludwigsburg für so eine Stelle suchen.

Neben Aufgaben, Funktionsweise und Ergebnissen der Zentralen Stelle wird auch die Geschichte einiger in Ludwigsburg lebender NS-Offiziere behandelt. Man stelle sich vor, heutzutage kämen einige tausend Besucher zu einer Beerdigung und stilisierten diese zu einem Gedenktag ewig Gestriger mitsamt SS-Gesängen. Hier jedoch veranlasste erst das Fernbleiben von Vertretern der französischen Partnerstadt bei Feierlichkeiten die Stadt Ludwigsburg zu einer Reaktion und Stellungnahme.

Fabers Film zeigt mit vielen Aspekten die Schwierigkeit der Geschichtsaufarbeitung und Verbrechensaufklärung in Justiz und Gesellschaft und zeigt dabei, wie wichtig die Arbeit der Zentralen Stelle der Landesjustizverwaltungen zur Aufklärung nationalsozialistischer Verbrechen war und immer noch ist.

Eine sehr lohnenswerte Dokumentation, nicht nur für Menschen aus der Region. Auch ein Besuch der Zentralen Stelle lohnt sich, die gesammelten Akten sind der Öffentlichkeit zugänglich, ein pädagogischer Mitarbeiter als Betreuer für Schulklassen ist vor Ort.

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